
Leser fragen — Experten beantworten
Mein Interview mit der Zeitschrift Feel Free zum Thema “Berechnung mehrwertiger Alkohole”
„Was versteht man unter „mehrwertigen Alkoholen“ und was muss man bei der Insulinberechnung berücksichtigen?“
Martina Grundmann
Diplom-Ökotrophologin
“Man nennt die mehrwertigen Alkohole auch Zuckeralkohole, aber eigentlich sind es Kohlenhydrate, die als Zuckeraustauschstoffe eingesetzt werden. In der Nährstofftabelle spielen die rein pflanzlichen Stoffe eine Sonderrolle: Sie haben wenig bis gar keinen Einfluss auf den Blutzucker. Für die Insulinberechnung bedeutet das, dass man ihren Anteil von der Gesamtmenge der Kohlenhydrate abziehen muss, damit man nicht überdosiert.“
„Wie sind die mehrwertigen Alkohole auf den Produkten gekennzeichnet?“
Martina Grundmann
Diplom-Ökotrophologin
„Man erkennt sie u.a. an der Endung ‑it: Xylit, Erythrit oder Lactit, eine Ausnahme ist Isomalt. Allerdings wird in der Lebensmittelindustrie oft nur ein E mit einer Zahl verwendet. Zuckeraustauschstoffe beginnen mit 4 oder 9: E953 ist Isomalt, E965 Maltit, E967 Xylit. Wichtig ist, nicht nur die Nährwertinformation anzuschauen, sondern auch die Zutatenliste, da ist oft das Süßungsmittel versteckt. Leider sind die Bezeichnungen meist kryptisch.“
„Ist der Einfluss auf den Blutzucker bei allen gleichermaßen gering?“
Martina Grundmann
Diplom-Ökotrophologin
„Nicht ganz. Erythrit wird komplett über die Niere ausgeschieden und hat keinerlei Einfluss, Xylit (Birkenzucker) hat eine minimale Wirkung und Sorbit und Isomalt beeinflussen den Blutzucker aufgrund ihres niedrigen glykämischen Indexes ebenfalls kaum. Ein spezieller Fall ist Maltit: Bei Bonbons oder Lollis wird zur Stabilisierung Glucose benötigt, der Gesetzgeber lässt hier einen Anteil von 50 bis 80 Prozent zu. Maltit-Sirup könnte z.B. zur Hälfte aus Glucose bestehen und das Produkt, in dem er enthalten ist, darf trotzdem als zuckerfrei verkauft werden. Maltit ist oft in preiswerteren Lebensmitteln enthalten, weil Glucose günstiger ist.“
„Das macht die Berechnung der Netto-Kohlenhydrate nicht ganz einfach, oder?“
Martina Grundmann
Diplom-Ökotrophologin
„Grundsätzlich gilt, dass die mehrwertigen Alkohole von der Gesamtmenge der enthaltenen Kohlenhydrate abgezogen werden müssen. Enthält ein Müsliriegel z.B. 14 Gramm Kohlenhydrate, davon aber 8 Gramm mehrwertige Alkohole, zieht man diese ab – also bleiben 6 Gramm Kohlenhydrate zur Berechnung der Insulindosis. Bei Maltit ist das schwieriger, weil nicht klar ist, wieviel Glucose enthalten ist. Handelt es sich um zwei Bonbons bzw. kleine Mengen (bis zu 30 g) mit Maltit, kann man das für die Insulinmenge vernachlässigen. Bei größeren Mengen sollten die Gramm-Kohlenhydrate(gKH) mit einem Drittel berücksichtigt werden. Wenn man sicher sein will und ein Lebensmittel regelmäßig zu sich nimmt, kann man auch direkt beim Hersteller um die genauen Angaben bitten.“
„Zuckeraustauschstoffe sind häufig nicht so süß wie Haushaltszucker. Kann ich unbedenklich viel zu mir nehmen oder gibt es Unverträglichkeiten?“
Martina Grundmann
Diplom-Ökotrophologin
„Einige haben nur eine 40 bis 60-prozentige Süßkraft, deshalb nehmen wir oft mehr davon. Xylit süßt am stärksten, kann in größeren Mengen aber zu Durchfall führen. Wer eine Fructoseintoleranz hat, sollte Zuckeraustauschstoffe besser ganz meiden. Weil dadurch die Aufnahmefähigkeit von Fruchtzucker weiter sinkt, kann es zu Magenkrämpfen und Durchfall kommen. Grundsätzlich rate ich, so wenig Zucker wie möglich zu essen, denn Zuckeraustauschstoffe sind leere Kalorien, die uns keine Energie liefern.“
„Vielen Dank für das Gespräch.“